„Wir wollen auf nichts verzichten“

Foto: Judith Bender-Jua

Foto: Judith Bender-Jura

Emanuel Nikolaus Burger ist mit 21 Jahren einer der jüngsten Modedesigner Österreichs. Bei seiner „Haute Couture Made in Austria“ legt er viel Wert auf Qualität und Nachhaltigkeit. Wir haben den aufstrebenden Couturier zu seiner Meinung über das Einkaufsverhalten der Österreicher und den Wert der Arbeit befragt, die hinter den Blusen, Jeans und Roben steckt. Und kamen zur Erkenntnis: Ein nachhaltiger Lifestyle bietet weit mehr als selbstgestrickte Socken und geschmacksneutrales Müsli.

Welchen Platz hat Nachhaltigkeit in der heutigen Modewelt?
Derzeit leider noch einen sehr geringen, ein Großteil der Modekonzerne setzt mehr auf Gewinnmaximierung als auf Qualität und Nachhaltigkeit. Natürlich hängt das auch mit dem Kaufverhalten der Konsumenten zusammen.

Wie gehen Sie mit der Herausforderung um nachhaltig zu produzieren?
Mir ist das Thema sehr wichtig, sämtliche Kollektionen meines Labels werden in kleinen österreichischen Betrieben, oder direkt in unserem Atelier in Seewalchen am Attersee gefertigt. Doch leider ist es auch für uns oft schwierig, die Materialien für unsere Kollektionen aus nachhaltiger bzw. Fairtrade-Produktion zu beziehen.

Denken Sie, die Massen würden ihr Einkaufsverhalten ändern, wenn die Bedingungen sichtbarer wären, unter denen Billigware hergestellt wird?
Ich denke, dass es ist nicht ein Nicht-Wissen der Konsumenten ist, das zu billigst produzierten Produkten greifen lässt. Es ist ja kein Geheimnis mehr, wie ein Großteil unserer Kleidung produziert wird. Und leider macht es meistens auch keinen Unterschied, ob man Billig-Klamotten oder teure Markenware kauft, die Nähereien sind oft dieselben. Vielmehr denke ich, dass bei der Wahl zwischen Fairtrade und kommerziell produzierter Mode das Design für viele Kunden eine große Rolle bei der Kaufentscheidung spielt. Vielleicht sogar eine größere als Preis oder Marke. Nachhaltige Labels haben leider oft ein zu „alternatives“ Design und können auch aufgrund ihrer kleinen Betriebsgröße nicht mit dem schnellen Kollektionswechsel der großen Konzerne mithalten.

Welche Entwicklungsmöglichkeiten sehen Sie für die Zukunft?
Ethisch und ökologisch fair produzierte Kleidung wird sicher in Zukunft für viele Menschen ein nicht zu unterschätzender Aspekt ihres Konsumverhaltens sein. Und wenn sich die „wear fair“- Szene mit ihren Kollektionen mehr an klassischem Design mit modischen Akzenten á la Tommy Hilfiger orientiert, wird sicher auch die ein oder andere bekennende Fashionista ihr Lieblings-Label links liegen lassen und zur Öko-Mode greifen. Wir wollen ökologisch und auch ethisch nachhaltig sein, ohne auf etwas verzichten zu müssen. Ein nachhaltiger Lifestyle steht in meinen Augen heute vielmehr für Spaß und Genuss mit gutem Gewissen und nicht mehr für selbstgestrickte Socken und geschmacksneutrales Müsli.

Eva Helfrich ist freie Journalistin und lebt in Oberösterreich. „Gemeinsam individuell“ ist sie mit ihren Kollegen des Medien-Kollektivs co;des.

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