Dream Land

The T/Shirt Issue – ein Nachruf

Vor einigen Jahren riss ich ein kleines Bild aus einer Zeitschrift aus: Es war das Bild eines T-Shirts, zusammengesetzt aus lauter Polygonen mit einem Wolfskopf auf der Schulter. Betitelt war das Ganze mit „Tragbare Skulpturen“.

© The T/Shirt Issue

© The T/Shirt Issue

Kürzlich hat mein Schreibtisch dieses Schnipsel wieder freigegeben. Ich war neugierig, was aus diesem Projekt geworden ist und habe recherchiert:

The T/Shirt Issue war ursprünglich ein Projekt von Absolventen des Fachbereichs Gestaltung der Universität der Künste in Berlin: 2008 haben Rozi Rexhepi, Murat Koçyigit und Hande Akçayli begonnen ein neues Verfahren zur Schnittmustererstellung zu entwickeln. Ziel: Individuelle 3D-T-Shirts entwerfen und produzieren.

 

© The T/Shirt Issue

© The T/Shirt Issue

Einen Webshop habe ich nicht entdeckt, aber die drei waren 2014 „Artists in Residence“, einem Programm des Victoria and Albert Museums in London, dem weltgrößten Museum für Kunstgewerbe und Design. Das Programm stellt Künstlern für ungefähr sechs Monate ein Studio im Museum zur Verfügung. Die Künstler haben in dieser Zeit Zugang zu den Objekten in der Ausstellung und im Archiv, sowie zum Know-How der Museumsmitarbeiter. Das Ziel ist, dass die Künstler diese Ressourcen für ihre Zwecke nutzen, um ihre Ideen und handwerklichen Fähigkeiten weiterzuentwickeln, sowie Forschung zu betreiben. Ein permanenter Austausch mit den Besuchern findet in Form von Workshops, Vorträgen und ähnlichem statt.

© The T/Shirt Issue

© The T/Shirt Issue

Das Berliner Designkollektiv The T/Shirt Issue benutzte in ihrer „Artists in Residence“-Zeit 3D-Scanner und 3D-Software aus verschiedenen Bereichen, um Objekte aus der Sammlung des Museums zu dokumentieren und manipulieren. Sie scannten viele historische und moderne Objekte und experimentierten mit diesen Daten.
Ein Ergebnis war die Installation Dream-Land – an unremembered future, die im Rahmen des London Design Festivals vorgestellt wurde. Die Installation bezieht sich auf das gleichnamige Gedicht von Edgar Allan Poe und vereint Tierköpfe und menschliche Körper, die sich als Ausstellungsstücke im Museum befanden. Das Ergebnis sieht sehr technologisch aus, ist aber ein aufwändig hergestelltes Handarbeitsstück.

Für mich liegt die Spannung in der technologischen Metamorphose historischer Stücke zu einer handwerklich ausgeführten modernen Interaktion.

Was ich mit Freude und Interesse neu entdeckt habe, hat sogleich wieder ein Ende gefunden: Das Projekt The T/Shirt Issue wird nach sechs Jahren nicht mehr fortgeführt. Wer sich als Erinnerung noch einen Wolfskopf bauen möchte: Auf der Homepage ist ein Selbstbau-Schnittmuster downloadbar.

Weitere Infos

http://www.vam.ac.uk/content/articles/d/digital-design-residency-the-tshirt-issue/

Ulla Unzeitig organisiert Open House Wien – Architektur für Alle – und ist derzeit auf der Suche nach dem missing link zwischen Fahrrad und Auto.

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