Tesla Model S – der Erfahrungsbericht

Wir sind eine ganz normale Familie. Ein bisschen Patchwork mit Haus und Garten und seit nun drei Monaten unser Tesla Model S P85D.

Es ist noch immer unglaublich an der Ampel kurz mal Strom zu geben und wie ein Katapult nach vorne zu schießen. Das schöne Gefühl, das Auto trotz seiner Maße von 4,97 m Länge und 2,19 m Breite spielerisch durch den Straßenverkehr zu bewegen, hält weiter an. Frisch geputzt und in der Sonne glänzend, freue ich mich noch immer ein solches Auto zu besitzen. Ein Hingucker ist es allemal.

Tesla_WARI2_webWie fühlt sich der Tesla nun an?
Phantastisch und manchmal dennoch etwas komisch. Ich habe noch nie zuvor in einem Auto gesessen, das so viel Aufmerksamkeit auf sich zieht. Im laufenden Verkehr, an der Ampel und klarerweise beim Stromtanken hat man immer Beobachter um sich. Die einen registrieren zuerst den raumfüllenden Monitor im Cockpit, der den Fahrer in allen möglichen Dingen unterstützt. Die anderen stehen an der Fußgängerampel und registrieren das nahezu geräuschlose Fahren. Die Reaktionen reichen von Freude und Begeisterung bis zu Argwohn.

Vor kurzem bin ich mit den Kindern in einer kleinen Stadt in Nähe des Marktes in eine Parklücke gezirkelt. Da blieb ein junger Kerl mit heruntergeklapptem Kiefer stehen und starrte das Auto bis zum Vollenden des Parkvorgangs an. Das ist keine Seltenheit. Mit ziemlicher Sicherheit wird man beim Laden von Interessierten angesprochen. Und es sind immer die gleichen Fragen, die gestellt werden. Wie ist die Reichweite, wie lange dauert das Laden und was kostet das Auto? Das Interesse ist groß. Mindestens genauso wie die Vorbehalte und (großteils falschen) Vorurteile.

Wir sind bisher etwa 15.000 km mit dem Auto gefahren. Getankt haben wir schon viele Male. Das hat uns bisher nichts gekostet – in Zahlen 0,- EUR! – denn bei Tesla gibt es den Supercharger, und das Tanken dort ist kostenfrei. Zudem gibt es auch noch jede Menge kostenfreie öffentliche Ladesäulen. Auch wir bewegen das Fahrzeug meist innerhalb des 80 km Radius.

Ein besonderes Schmankerl ist die Luftfederung, mit der man die Fahrzeughöhe verstellen kann. Steile Einfahrten in Tiefgaragen sind somit kein Problem mehr. Das Beste daran? Das Auto merkt sich die Stelle, an der man diese Einstellung vorgenommen hat und adaptiert das Fahrwerk automatisch, wenn man wieder an diesem Ort kommt.

Reisen nach Deutschland (mehrmals nach Frankfurt, Erfurt, München, …) hat unser „Blue Lightning“ auch bereits spielerisch gemeistert. Bei guter Planung stellt die Reichweite kein Problem dar. Ja, man muss zum Laden einen Zwischenstopp einplanen. Ein kompletter Ladevorgang am Supercharger dauert 75 Minuten (von ganz leer bis 100 % voll), wobei man – anders als beim Benziner – nicht „volltankt“, sondern meist nur so viel lädt, wie man bis zur nächsten Station benötigt. Warum? Weil das Laden von Batterien im unteren Bereich (also, wenn fast leer) schneller von Statten geht. Ich vergleiche das immer mit dem Füllen eines Wasserglases: ist es leer, kann man schwungvoll einfüllen. Wird es voller, muss man schon mehr aufpassen, damit es nicht überschwappt. Ist bei Batterien ähnlich. Wenn sie fast voll sind, muss der Strom langsamer fließen, damit die Batterie keinen Schaden davonträgt. Das macht der Wagen alles vollkommen automatisch. Kümmern braucht man sich darum nicht. Wissen sollte man es, weil man so die Zeitdauer des Ladevorganges bewusst beeinflussen kann. Dadurch dauert bei uns ein üblicher Stopp am Supercharger zwischen 20 und 30 Minuten, was wir für Kaffeepause mit WC-Besuch nutzen.

Tesla laden_webUnzählige Seiten und Apps informieren über Ladesäulen falls mal kein Charger von Tesla in der Nähe ist. Einige empfehlenswerte Seiten sind: www.goingelectric.dewww.e-tankstellenfinder.com oder www.smatrics.com.

Elektrisch fahren will gelernt sein
Im Tesla kann man einerseits automatisch auf die freigeschalteten Supercharger zugreifen. Zudem werden bereits genutzte Tankpunkte gemerkt und sind auswählbar. Ferner ermöglicht die Internetanbindung eine Nutzung aller verfügbaren Webinhalte. So findet man immer eine Möglichkeit in der Nähe, um an Strom zu kommen. Aber auch das muss man lernen. Elektrisch fahren ist anders. Bei der Streckenwahl achtet man viel mehr auf die Verfügbarkeit von Ladepunkten. Manchmal muss man einen kleinen Umweg machen, um ans Ziel zu kommen. Aber allein innerhalb der Zeit, in der wir Tesla fahren, sind zig neue Supercharger eröffnet worden. Das Netz wird immer dichter und ermöglicht zum Beispiel eine Fahrt von Wien (oder sogar Rom) ans Nordkap – rein elektrisch.

Und soll ich Ihnen etwas sagen? Als wir in den Urlaub gefahren sind, haben wir (vier Personen) und unser komplettes Gepäck – drei große Koffer, zwei kleine Koffer und Tauchausrüstung – in den Tesla gepasst, ohne dass wir die Rücksitzbank umklappen mussten. Sogar das Kinderfahrrad unserer 7-jährigen passt in den Kofferraum.

Foto: teslamotors.com

Foto: teslamotors.com

Der Tesla aus Frauensicht
Ich, als Frau des Hauses, bin ja nicht immer ein Einparksuperheld. Aber mit dem Tesla war es bisher easy cheesy. Die Rundumsicht ist zwar aufgrund der Länge und Breite des Autos nicht so gut, doch dafür gibt es diese tolle Rückfahrkamera, mit der man nach hinten sieht ohne sich umzudrehen. Außerdem soll es demnächst auch einen vollautomatischen Parkassistenten geben. Dieses und andere Features werden alsbald per Softwareupdate geliefert (OTA „Over The Air“). Der Tesla ist somit das einzige Fahrzeug, das ich kenne, das mit der Zeit immer besser wird- und das noch dazu kostenlos.

Als ich das erste Mal eine längere Strecke mit dem Model S gefahren bin, habe ich auch den „Autopiloten“ (TACC) ausprobiert. Ich muss schon sagen, dass das am Anfang echt gruselig ist. Man schaltet den Cruise-Mode ein und fährt im Verkehr mit. Das Auto überwacht mit Hilfe von Radar und Sonar-Sensoren das Rundherum. Es ist so in der Lage selbständig zu bremsen und zu beschleunigen. Wenn man an eine Ampel heranfährt und dort steht ein bereits ein Fahrzeug, kostet es große Überwindung dem Auto die Entscheidung zu bremsen zu überlassen. Aber es tut es tatsächlich. Beim Fahren auf der Autobahn wird der Abstand zum Vordermann konstant gehalten, ohne dass man etwas tun muss. Beim Überholen gibt der Wagen automatisch Strom, falls man die gewählte Spitzengeschwindigkeit unterschritten hat. Klingt wie Science Fiction, oder? Ich muss dazu sagen, dass ich es auf der einen Seite zu schätzen weiß, dass das Auto Gefahren erkennt und den Fahrer unterstützt. Andererseits mag ich aber auch selbst mal Hand und Fuß anlegen und Herr bzw. Frau des Automobils sein. Wichtig ist, dass man akzeptiert, dass in jedem Fahrmodus eine große Aufmerksamkeit und Reaktionsbereitschaft des Fahrers gewährleistet sein muss, um einen sicheren Betrieb zu gewährleisten.

Tesla_WARI1_webUnd was sagen die Kinder?
Meine Tochter fragt immer, mit welchem Auto wir fahren, wenn es irgendwo hingeht. Mit dem Neuen, Schönen oder doch dem Alten? Mein Sohn geht von sich aus immer in die linke Garagenhälfte,  in der der Tesla steht. Ok, ein alter Sharan als Alternative hat es auch schwer gegen die sportliche Limousine. Früher hat mein Mann das Auto zwar auch ab und zu gewaschen, jetzt aber legt er großen Wert darauf, dass der Tesla etwas hermacht. Nach dem Kauf wurden daher die Ledersitze mit einem speziellen Mittel behandelt, was ein längeres Schönsein garantieren soll. Mit etwas Erfindergeist wurden die kleinen Defizite des Tesla ausgeglichen. So wurde kurzum ein IKEA Kistenset für die nicht vorhandene Mittelkonsole als praktische Ablage angeschafft. Ein Juice-Booster wurde ebenso geordert. Nein, dass ist keine Saftpresse, sondern eine mobile Ladebox, mit der ein Laden unterwegs unter unterschiedlichsten Bedingungen (von Schuko-Stecker bis Starkstromdose) erleichtert wird. Außerdem wurden auch LED-Lampen angeschafft, die den Kofferraum beleuchten. Naja, dafür geht der Kofferraum mit einem Klick auf und zu ;-).

Als Elektromobilist ist man nicht allein.
Beschäftigt man sich mit dem Thema, trifft man auf andere liebenswerte Freaks, die Clubs betreiben, Tankstellenverzeichnisse pflegen oder Blogs und Foren mit Texten befeuern. Ich glaube, es gibt kaum ein anderes Auto, über das es so viele Youtube-Videos gibt. Einige der Betreiber sind richtige Teslaexperten und berichten über die neuesten Softwareupdates. Denn das ist auch einmalig im Automobilsektor. Fahrzeugverbesserungen werden über das Internet im Rahmen von Softwareupdates einfach eingespielt. So wird zum Beispiel der Autopilot oder das Navigationssystem kontinuierlich verbessert. Es ist natürlich toll, wenn man an der Weiterentwicklung stetig partizipieren kann. Aber es gibt einem auch das Gefühl permanent überwacht zu sein. Bei Tesla ist das durchaus der Fall, denn das Fahrzeug steht in stetigem Kontakt mit dem Tesla-Server.

Die Community der Elektrofahrer ist ziemlich groß und zeugt von vielen begeisterten Menschen, die sich dem Gedanken der emissionsfreien Fortbewegung verschrieben haben. Die Foren werden von den Automobilbauern verfolgt, und Ideen und Vorschläge der Mitglieder werden durchaus ernst genommen. Als Mitglied im Tesla Club Austria können wir unter anderem davon profitieren unser Fahrzeug zu sensationellen Konditionen zu versichern. Außerdem werden Ausflüge organisiert und Treffen veranstaltet, bei denen man sich mit Gleichgesinnten austauschen kann. In diversen Foren kann man sich über alles Mögliche unterhalten. Unter anderem erfährt man hier exklusiv, wo eine neue Lademöglichkeit geplant ist, wann der Bau begonnen hat oder diese eröffnet wurde. Hat man sich darüber geärgert, dass ein Verbrenner die Ladestelle zugeparkt hat, kann man im Forum dieses Schicksal wunderbar mit anderen teilen.

Tesla_FlagUnser Fazit nach drei Monaten
Haben wir es schon bereut einen Tesla zu kaufen oder würden wir es wieder tun? Wir würden es wieder tun! Tatsächlich ist es so, dass wir über den Tausch des Sharans nachdenken. Ein zweites Model S kommt aber aus Kostengründen nun doch nicht in Frage. Viele Hersteller haben die Einführung von Elektrofahrzeugen für die nächsten Jahre vorhergesagt. Unsere Strategie lautet daher: Abwarten. Sicher ist die heutige Elektromobilität nicht der Weisheit letzter Schluss. Aber wir glauben, dass es eine Technologie mit Zukunft ist und wollen ganz vorne mit dabei sein.

Der Informatiker Richard Wagner ist Inhaber und Mitbegründer der CNT Management Consulting GmbH, einem IT-Beratungshaus mit Standorten in Wien, Linz, Innsbruck, Graz, Wiesbaden und München. Seine Frau Susanne Wagner ist Betriebswirtin. Gemeinsam mit ihren beiden Kindern Sarah und Max leben sie in Niederösterreich nahe Wien.

Neben unseren Autorinnen und Autoren, die in regelmäßigen Beiträgen über gute Energie in allen Lebensbereichen schreiben, sorgen auch immer wieder Gastautoren in einmaligen Blogbeiträgen für Gute Energie.

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