Tesla Model S – der Entscheidungsprozess

Es ist ungefähr zwei Jahre her – unser Golf war in die Jahre gekommen. Nun standen wir vor der schwierigen Frage. Was nun? Einige Zeit haben wir über die in Frage kommenden Fahrzeuge diskutiert. Aber so richtig Feuer gefangen haben für keines der Modelle. Als Technikbegeisterte kamen wir irgendwie, irgendwo und irgendwann mit dem Thema Elektromobilität in Kontakt. Eine Alternative? Wie fühlt sich elektrisch an? Wie funktioniert das, und was kostet das? Kommt man hin, wo man will? Bereit uns mit dem „Konzept E“ auseinander zu setzen, gingen wir auf die Suche und informierten wir uns. Zunächst standen da erst mal die offensichtlichen Argumente im Vordergrund: emissionsfreies Fahren und ein gutes ökologisches Gewissen. Klar gab es auch die üblichen Vorbehalte: Elektro ist fad und langweilig, die Reichweite ist nicht ausreichend und außerdem ist das Ganze viel zu teuer. Wir haben versucht uns selbst ein Bild zu machen.

Foto: teslamotors.com

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Ist Elektro tatsächlich ökologisch?
Diese Frage ist wirklich schwer in wenigen Sätzen zu beantworten. Wenn man die Diskussionen in Foren verfolgt, die sich darum drehen, kommt man nicht wirklich zu einem Ergebnis. Bei der Herstellung unterscheiden sich ein herkömmliches oder ein Elektrofahrzeug aus ökologischer Sicht wenig. Es werden ähnliche Materialien und Prozesse angewendet. Allerdings trifft man mit dem BMW i3 schon auf eine Ausnahme. Das Fahrzeug besteht zum Großteil aus Carbon, und die Fabrik wird mit nachhaltiger Energie aus Wasserkraft betrieben. BMW war bei der Neuentwicklung des Fahrzeugs ein umfassendes Konzept wichtig, dass auch die Herstellung einbezieht. Die meisten Kritiken bei der ökologischen Betrachtung beziehen sich auf die Batterie aus Lithium, das in Minen unter teils katastrophalen Umständen abgebaut wird. Das Alkalimetall kommt nicht in reiner Form und in großen Lagerstätten vor. Es ist meist ein Nebenprodukt bei der Gewinnung anderer Metalle wie Tantal. Es kommt aber auch in Seen wie dem Salar de Atacama in Chile vor. Laut Wikipedia sind 27 % der weltweiten Lithiumvorkommen im See gespeichert. Auch hier ist Lithium nur ein Nebenprodukt der Kaliumgewinnung. Trotzdem kann man nicht verleugnen, dass durch die Gewinnung von Lithium ökologische Schäden entstehen. Aber mal ehrlich – ist Erdölgewinnung eine saubere Sache? Ebenso oft kritisiert wird das Thema der Batterieentsorgung. Zum Glück gibt es Recycling, und bei den derzeitigen Betriebskonzepten von Elektrofahrzeugen dürfte auch einigermaßen sichergestellt sein, dass die Batterie in den Kreislauf der Wiederverwertung zurückgeführt wird.

Das Fahren und der Betrieb des Fahrzeugs
Als erstes sei gesagt, dass ein Elektrofahrzeug viel weniger Flüssigkeiten beinhaltet als ein normales Fahrzeug. Kein Benzin, das Auslaufen kann, kein Öl für Getriebe oder Motor, das gewechselt und entsorgt werden muss. Das größte ökologische Thema ist der Strom zum Tanken. Hier kommt es natürlich schwer drauf an, „welchen“ Strom man tankt. Rein rechnerisch gesehen tankt man sicher im Laufe des Fahrzeugbetriebes nicht immer 100 % ökologischen Strom. Ist es nun besser, Strom aus einem Kohlekraftwerk zu tanken oder Benzin, das raffiniert und kilometerweit in Pipelines und über Straßen transportiert wurde? Die Frage ist allerdings müßig, denn man KANN sauberen Strom laden, „sauberes“ Benzin gibt’s leider gar nicht. Traue also keiner Statistik, die du nicht selbst gefälscht hast und komme zu deinem eigenen Ergebnis.

Foto: BMW

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Probefahren
Unseren ersten physischen Kontakt mit Elektromobilität hatten wir schließlich bei einer Probefahrt mit dem BMW i3. Ich war fasziniert von dem zugegebener Maßen gewöhnungsbedürftigen Design, der fehlenden B-Säule und den „Selbstmördertüren“. Mich hat begeistert, dass sich die bayrischen Hersteller als eine der ersten deutschen Autoproduzenten am Markt getraut haben ein rein elektrisches Fahrzeug anzubieten. Und dies noch mit der Besonderheit, dass das Fahrzeug von Grund auf neu und – wie schon erwähnt – als Gesamtkonzept entwickelt wurde. Und wie war es? Interessant, aufregend und anders – so würde ich es kurz beschreiben. Viele elektronische Schmankerl wie die Rückfahrkamera oder das Navigationsgerät, das die Elektrotankstellen in der Nähe findet. Tolle Beschleunigung … und das Allerbeste: diese Ruhe im Auto. Trotzdem waren wir nicht so richtig überzeugt, denn die Reichweite von 160 km war uns nun doch nicht genug.

Reichweite
Damit sind wir beim zweiten Bereich, über den leidenschaftlich gestritten wird. Kommt man mit einem Elektrofahrzeug ans Ziel? Hierzu wiederhole ich zunächst einmal, was Fakt ist: Der durchschnittliche Autofahrer legt rund 80 km pro Tag mit dem Auto zurück. Das schafft jeder e-Wagen. Aber man will ja auch mal in den Urlaub – geht das? Ja, auch das geht, wenn man genau plant und die Zeiten zum Laden mitberücksichtigt. Klarerweise ist es für die meisten Fahrzeuge noch eine langwierige Geschichte von geringer Ladung in den Vollzustand zu kommen. Eine richtige Alternative auf langen Strecken bietet hier zurzeit nur Tesla mit seinen Superchargern. Die meisten Anbieter von Elektrofahrzeugen propagieren ihre Modelle daher als Stadtflitzer. Aber hier wird sich in Zukunft einiges tun. Nissan hat zum Beispiel für den Leaf in der nächsten Generation eine Reichweite von 500 km versprochen. Klingt doch ganz passabel, oder?

Foto: teslamotors.com

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Die Entdeckung des Model S
Auf unserer Suche nach dem geeigneten Fahrzeug haben wir schließlich Tesla mit dem „Model S“ entdeckt. Diese Probefahrt lief schon etwas anders ab. Bereits im Vorfeld war der Herr des Hauses schon voller Begeisterung über das Auto. Ok, es ist ein echter Hingucker – optisch gelungen mit schönen Kurven und elegantem Innenraum. Ja, er bietet als einziger derzeit eine akzeptable Reichweite und ist damit langstreckentauglich. Aber muss man gleich mehr als € 70.000 für ein Fahrzeug ausgeben?

Beim Tesla Service Center merkt man sofort die Begeisterung der Mitarbeiter für die Elektromobilität. Alles ist sehr minimalistisch eingerichtet, denn das Objekt der Begierde kann man im Internet konfigurieren, bestellen und bezahlen. Im Center stehen Service am Kunden und der Wagen im Vordergrund. Aber klar kann man sich die Außenfarben ansehen und diese auf kleinen Tafeln mit den Materialien der Zierleisten kombinieren. Ein Ausstellungsstück zeigt den Unterboden mit dem Batteriepack. Dann mal rein in den Tesla – und? Ganz anders als im BMW. Das Fahrzeug ist in der oberen Mittelklasse angesiedelt und mit hochwertigen Materialien bestückt. Leder, Carbon, Metallelemente und der unglaubliche 17“ Monitor im Cockpit. Dann mal Gas geben.

Foto: teslamotors.com

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Haben Sie schon mal den Begriff „Tesla-Grin“ gehört?
Nein? Dann empfehle ich dringend eine Fahrt mit dem P85D, dem Tesla Topmodell. Von 0 auf 100 in 3,3 Sekunden. Das fühlt sich an wie ein Raketenstart und sortiert die Gedärme neu. Und es zaubert einem dieses kleine Lächeln aufs Gesicht. Was sonst noch? Auch hier jede Menge Spielereien, die faszinieren. Rückfahrkamera und Navigation über Google, Internetanbindung sowie TACC (Traffic Aware Cruise Control) sind im Angebot enthalten. Man steigt ein und fühlt sich wohl, und obwohl der Tesla ein amerikanisches Fahrzeug ist, kann er auch mit guter Qualität überzeugen. Elektroauto und fad? Nicht hier!

Was soll ich sagen, nach der Fahrt war das zaghaft brennende Feuer völlig entfacht. Mir war klar, dass es kein Zurück mehr geben konnte. Die Frage war nur noch – wollen wir so viel Geld für ein Auto ausgeben? Zugegeben kostet ein Tesla ein kleines Vermögen und liegt damit doch einiges über einem vergleichbaren Modell. Ein Audi A6 mit ungefähr gleicher Ausstattung kostet etwa € 67.000 bei einem Motor mit 333 PS. Der Einstiegspreis mit dem Tesla Model S beträgt etwa € 68.000 mit dem 334 PS starken 70D. Nun könnte ich hier Zahlenspiele veranstalten mit gefahrenen Kilometern, Verbrauch, Verschleiß, Versicherung und so weiter und für bzw. gegen die Anschaffung argumentieren. Hier mag jeder seine eigenen Kalkulationen anstellen. Und jetzt mal ehrlich – kann man ein Auto völlig emotionslos kaufen? Schlussendlich zählte nur noch die Frage, wie der Tesla aussehen soll und welche Ausstattung drin sein muss. Bei uns ist es der P85D (mit 700 PS und über 900 nm Drehmoment) geworden.

Autokauf im World Wide Web
Ja, es war schon eigentümlich das Internet zur Bestellung des Autos zu nutzen. Funktioniert im ersten Moment wie eine übliche Fahrzeugkonfiguration und in der Folge wie Amazon. Dann heißt es warten – bei uns hat das fünf Monate gedauert. Und dann endlich war es da – das nagelneue Auto auf Hochglanz poliert und zur Ausfahrt bereit. Ab hier beginnt etwas Neues – unser Leben als Elektromobilisten. Wie sich das anfühlt, lesen Sie in Teil 2 unserer Tesla-Story.

Der Informatiker Richard Wagner ist Inhaber und Mitbegründer der CNT Management Consulting GmbH, einem IT-Beratungshaus mit Standorten in Wien, Linz, Innsbruck, Graz, Wiesbaden und München. Seine Frau Susanne Wagner ist Betriebswirtin. Gemeinsam mit ihren beiden Kindern Sarah und Max leben sie in Niederösterreich nahe Wien.

 

 

Neben unseren Autorinnen und Autoren, die in regelmäßigen Beiträgen über gute Energie in allen Lebensbereichen schreiben, sorgen auch immer wieder Gastautoren in einmaligen Blogbeiträgen für Gute Energie.

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