Neue Komplizenschaft

Claudia2_webJetzt gehe ich doch schon seit einiger Zeit zu meiner Grinberg-Praktikerin Claudia Reiter und trotzdem fällt es mir nicht leicht zu beschreiben, was sich da in den Session tut. Aber es tut sich was. Ich verändere mich. Besser gesagt: Mein Körper verändert sich. Indem ich die Wahrnehmung auf jene Stellen lenke, die verkniffen und blockiert sind. Davon habe ich, so scheint es, jede Menge. Um das zu veranschaulichen wäre ein Vorher-Nachher-Bild von mir jetzt ideal. Das würde dann so aussehen.

Vorher: Mein Körper ist angespannt, die Atmung kaum vorhanden, mein Kehlkopf ist wie zugeschnürt, die Augen zugekniffen. Am schlimmsten sind bei mir immer die Schultern: die ziehen sich zusammen. Als ganzes schrumpfe ich um ein paar Zentimeter, so kommt es mir zumindest vor. Das ist das was mein Körper macht, wenn ich vor etwas Angst habe, in ein altes Muster falle, versuche etwas zu entsprechen, was ich gar nicht bin. Und mich verdrehe – genau so sieht dann auch mein Körper aus. Verdreht. Verspannt. Ich halte etwas zurück, will einen Teil von mir nicht zeigen, meine Traurigkeit, meine Verletzlichkeit.

Nachher: Nach einer Session sehe ich aus wie neugeboren. Das letzte Mal, als ich von Claudia Reiter kam, fragte mich eine Freundin ob ich Botox nehmen würde. Mein Gesicht wäre so rosig und so glatt. Die Losgelöstheit sieht man mir tatsächlich an. Immer wieder erstaunlich, wie sich die Dinge, die sich im Inneren abspielen im Äußeren zeigen.

Was dazwischen passiert: Den Kopf abstellen (den brauche ich erst später wieder), die Gedanken zur Seite schieben, negative Leitsätze nicht ernst nehmen. Sich ohne Sicherheitsnetz auf den Zustand einlassen, auf das Gefühl, das einem grad die Kehle zuschnürt. Traurigkeit zum Beispiel. Und dann wahrnehmen, was sich im Körper abspielt. Und es nach und nach verändern. Eigentlich ist es als würde ich meinen Körper wieder in seine Ausgangsposition bringen. Als würde ich ihm sein ursprüngliches Verhalten zurückgeben, in dem er mit Angst, Traurigkeit, Verletzlichkeit, Wut gut umgehen kann. Intensiv leben durch Trainieren von Aufmerksamkeit und Körperwahrnehmung nennt Claudia Reiter das, was sie seit 20 Jahren macht. Ich nenne es: Knoten lösen, die ich in meine Zellen gewebt habe. Und dann: Vor Freude hüpfen, mit Angst leben und an meiner Traurigkeit eine schöne Seite entdecken.

Grinberg-Methode: www.intensivleben.at

Gabi Weiss lebt und arbeitet in Wien und steckt ihre Nase am liebsten in Dinge, die sie nichts angehen.

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