Mit der Sonne am Berg Freunde finden

Manchmal spielt es keine Rolle, ob PR-Leute übertreiben. Denn dass man irgendwo in der Wildnis auf einen ganz normalen Kühlschrank stößt, weit und breit keine Steckdose ist, man aber zufällig mehrere Solarpads dabei hat, ist eher unwahrscheinlich.

Doch genau so (mit mehreren, gekoppelten Solarpads) will die Agentur, die die Produkte des US-Labels „Goal Zero“ in Europa bewirbt, 2013 bei der Münchner ISPO (der größten Sport- und Outdoormesse im deutschsprachigen Raum) Getränke gekühlt haben.

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Klingt gut – ist aber egal. Weil schon der Nomad 7, das kleinste und leichteste der tatsächlich staub-, ziemlich stoß- und mehr als nur wasserspritzresistenten Goal-Zero-Sonnenkraftwerke auch im echten Alltag überzeugt, und zwar – zumindest dort, wo Strom nicht aus der Steckdose kommt – auf den ersten Blick.

Der (also der Blick) war begehrlich – und kam von Bergsteigern, die Schlange standen, um Fotoapparate, Handys, GPS-Geräte und sonstigen E-Klimbim auf der Toubkal-Hütte zu laden: Die Hütte liegt im Hohen Atlas in Marokko. Sie ist das Basislager für alle Gipfel im Gebiet des Jebel Toubkal (mit 4167 der höchste Berg Nordafrikas). In der Hütte schlafen 150 Bergsteiger. Draußen wird gezeltet. Und bei jeder der drei funktionierenden Steckdosen im Haus liegen E-Devices in Warteschlangen. Mit Warteschangen-nummern auf kleinen Zetteln.

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Wer da einen 300 Gramm leichten, 43 mal 23 cm kleinen Kollektor an den Rucksack schnallen kann, hat rasch viele neue Freunde – und könnte seinen sauberen Strom sogar „on the go“ verkaufen. Denn der Nomad 7 lädt tatsächlich gut. Sogar dann, wenn nicht das gesamte Panel bestrahlt wird. Und er lädt jedes Gerät, das per USB-Stecker bestromt werden kann.

Auch dann, wenn zusätzlich noch das Nomad-Akkupack mitgeladen wird: Das speichert genug Energie, um Geräte, die man nicht auf 4000 Metern noch auf eine Tour mitschleppen will will (etwa ein iPad!), über Nacht zu laden. Und ganz nebenbei hilft das im Akkupack eingebaute LED-Lamperl, beim nächtlichen Ausfall des „Hausstroms“: Weil schon die drei Hütten-Steckdosen plus der Kühlschrank des Hauses plus noch irgendwas enweder eine Sicherung schießen, oder die nur mit Alufolie zusammengepfuschten Kabel zwischen Dieselgenerator und Hausstromleitungen sich wieder mal gelöst haben.

In europäischen Outdoor-Onlineshops ist der Nomad 7 um die 80 Euro zu finden. Trotzdem zahlt sich der Besuch auf der Unternehmenswebsite aus: Dort bittet der Hersteller um Reviews – und stellt positive und negative Bewertungen gleichwertig nebeneinander. Und das ist eine vertrauensbildende Maßnahme, die weit mehr kann als jedes Auflade-Geschichterl von Eiskästen auf einer Sportmesse.

www.goalzero.com/p/11/Nomad-7-Solar-Panel

Thomas Rottenberg lebt, arbeitet und läuft. In Wien - aber auch sonst überall, wo es ihn hin verschlägt.

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