Was ist Politik? Ein Ausflug in die Politik der Natur

Foto: Dieter Haas, honigstadt.at

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Laut Wikipedia ist politisches Handeln soziales Handeln, das auf Entscheidungen und Steuerungsmechanismen ausgerichtet ist, die allgemein verbindlich sind und das Zusammenleben von Menschen regeln. Diese Entscheidungen und Steuerungsmechanismen, die für alle verbindlich sind, brauchen wir erst seitdem viele Menschen auf engem Raum zusammenleben. Der Neandertaler brauchte keine Politik, genauso wenig wie ein einsames Wolfsrudel. Hier reicht ein Anführer – im Normalfall der Stärkste (Neandertaler oder Wolf) – der vorgibt, wo es lang geht und was zu tun ist.

In der Natur gibt es aber auch Beispiele, in denen viele Einzeltiere auf kleinem Raum zusammenleben. Bei einem Bienenvolk zum Beispiel leben bis zu 50.000 Bienen in einem kleinen Bienenstock friedlich und produktiv zusammen. Der Bienenstaat besteht aus einer Königin, vielen tausenden Arbeiterinnen und einigen hundert männlichen Bienen, den sogenannten Drohnen. Auf den ersten Blick könnte man meinen, es handle sich um eine klassische Monarchie mit einer einzelnen Herrscherin, die aufgrund ihrer Abstammung die Geschicke des Volkes leitet.

Schauen wir uns das politische System im Bienenstaat an: Die Rolle der Königin ist das Eierlegen – in die dafür vorgesehenen Waben im Bienenstock. Das ist alles. Das ist trotzdem ein anstrengender Job, denn die Königin legt bis zu 2.000 Eier am Tag. Alles andere besorgen die Arbeiterinnen – diese bauen und putzen die Waben, füttern die Larven, sammeln Blütennektar und -pollen, legen den Honigvorrat an und verteidigen den Bienenstock gegen fremde Eindringlinge. Die Arbeiterinnen sind organisatorisch genauestens eingeteilt, je nach Lebensphase/Alter erfüllen sie eine der genannten Funktionen – die gesamte Organisation ist natürlich genetisch vererbt und muss den Bienen auch nicht erklärt werden.

Wie kommt es zur Nachfolge der Königin oder zu neuen Bienenköniginnen? Bienenprinzessinnen werden normalerweise dann herangezogen, wenn das Bienenvolk durch das eigene Wachstum im Bienenstock zu wenig Platz bekommt. Nachdem die neuen Prinzessinnen geschlüpft sind, muss die alte Königin den Bienenstock verlassen. Das Bienenvolk schwärmt aus, d.h. die alte Königin nimmt rund die Hälfte des Bienenvolkes mit auf die Suche nach einer neuen Bleibe. Die junge Prinzessin schlüpft, geht auf Hochzeitsflug, lässt sich von den Drohnen besamen, kommt als neue Königin zurück in den Bienenstock und baut mit den verbliebenen Arbeiterinnen ein neues Volk auf.

Was passiert wenn die Königin zu wenige oder schlechte Eier legt, also nicht mehr zum Wohl des Volkes funktioniert? Wenn die Arbeiterinnen das bemerken, bestimmen sie, dass eine neue Königin herangezogen werden muss. Die Entwicklung von Bienenprinzessinnen erfolgt, wie auch die der Arbeitsbienen, aus ganz normalen befruchteten Eiern. Im Gegensatz zu den Larven der Arbeiterinnen werden Königinnen aber über die gesamte Dauer des Larvenstadiums mit einem von den Arbeiterinnen in speziellen Kopfdrüsen erzeugten Futtersaft, dem Gelee Royale ernährt. Das bedeutet also, dass die Arbeiterinnen gemeinsam mit der Verfütterung des Gelee Royale entscheiden, dass die alte Königin abdanken muss. Damit geht die Macht von der gemeinsamen Entscheidung der Arbeiterinnen aus.

In einer Demokratie soll doch auch die Macht vom Volk ausgehen – vom Prinzip her also genauso wie beim Bienenvolk.

Warum funktioniert das bei uns Menschen nicht so wie bei den Bienen? Warum gibt es Skandale, Machtmissbrauch, Korruption und damit eine Politik, die den Politikern dient und nicht den Menschen? Ich denke, die Wurzel allen Übels ist die jahrzehntelange Enttäuschung der Menschen und die damit einhergehende Wurschtigkeit, das „sich Alles gefallen lassen“, weil man eh nichts ändern kann.

Machen wir es doch wie die Arbeiterinnen im Bienenstaat: Entscheiden wir gemeinsam, dass sich etwas ändern muss. Wir kennen alle die Missstände und die falschen Entwicklungen. Wir haben jeden Tag die Möglichkeit die Lage zu verändern. Lasst uns heute damit beginnen.

Horst Ebner ist Mitglied des Vorstandes der oekostrom AG und angehender Hobby-Imker.

Neben unseren Autorinnen und Autoren, die in regelmäßigen Beiträgen über gute Energie in allen Lebensbereichen schreiben, sorgen auch immer wieder Gastautoren in einmaligen Blogbeiträgen für Gute Energie.

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