Was Gravitationsenergie mit der Weihnachtszeit zu tun hat …

 jonglieren1_web… oder: Beim Jonglieren fällt immer ein Ball zu Boden!

Jeder kennt die Geschichte von Isaac Newton und dem Apfelbaum: Nun bin ich natürlich kein Physiker, aber ich meine mich erinnern zu können, dass mir in der Schule beigebracht wurde, dass dieses Ereignis etwas mit der Definition und Entdeckung der Gravitation (-senergie), also der Anziehungskraft zwischen zwei Körpern zu tun hat.

Jetzt bin ich aber Theologe und Pfarrer geworden und muss mich zum Glück (oder in meinem Fall: Gott sei Dank) nicht mit physikalischen Phänomenen herumschlagen, obwohl ich manchmal neidvoll in diese Richtung blicke, denn Physiker wissen immerhin (meistens), wovon sie sprechen. Und sie schaffen es sogar, jedem Kind die Grundgesetzte des Kosmos begreiflich zu machen – einem Perücke tragenden (und übrigens tief gläubigen) Briten durchfährt ein Geistesblitz als ihm ein Apfel auf den Kopf fällt: genial!

Ich hingegen weiß meistens nicht, wovon ich spreche, und es ist verdammt (sic!) schwierig, Menschen theologische Grundbegriffe und biblische Geschichten verständlich zu machen. Eine dieser Hürden ist Jahr für Jahr der Advent und Weihnachten.

Wer bitteschön versteht, ich meine „versteht wirklich “, was sich da vor rund 2.000 Jahren abgespielt hat: ein bisher eher unnahbarer Gott, der sich höchstens in einem brennenden Dornbusch oder einer Feuersäule gezeigt hat, und der auch eher, drücken wir es einmal vorsichtig aus, indifferent seinen Geschöpfen gegenüber getreten ist, wird auf einmal selbst Mensch, in einem Neugeborenen (das selbst wiederum auf höchst erstaunliche Weise seinen Weg ins Leben gefunden hat) und wandelt fortan als einer von uns durch die Welt. Damit wir letztlich vom ewigen Tod errettet werden, gibt er sein eigenes (irdisches) Leben hin.

Ehrlich, ich habe keine Ahnung wie ich das je begreifen soll – das übersteigt, wie man so schön sagt, mein Wissen. Aber, und jetzt gilt’s wirklich: Gott sei Dank (!) kann ich daran glauben. Ich kann daran glauben, weil ich mich dazu entschieden habe. Weil Glaube mit Erfahrung zu tun hat – und mit der Verknüpfung von Erfahrungen mit Gott (so gesehen kein Wunder, dass in der Bibel Gott in so vielgestaltiger Weise erscheint).

Mit der Weihnachtsgeschichte habe ich Erfahrungen gemacht: ich habe erlebt, mit welcher Liebe sich Menschen anderen zuwenden, mit welcher Hingabe sich Menschen für die Natur einsetzen, mit welcher Kraft und Energie sie darum kämpfen, dass diese Welt ein kleines Stück besser wird. Ich verknüpfe das mit Gott, eben weil er auch diesen Zug hin zu den Menschen, hin zu dieser Welt hat – und weil er, das glaube ich, sogar diese Liebe, diese Hingabe, diese Kraft und diese Energie selbst ist.

jonglieren2_webGott hält es nicht oben im Himmel, er ist offenbar total angezogen von uns und der ganzen Schöpfung. Gott ist wie der Apfel, der dem alten Isaac auf den Kopf geplumpst ist: er kann nicht anders, er muss einfach herabfallen, oder besser: herab kommen.

Theoretische Physik und Theologie spielen sich oft in Weiten ab, in die noch nie ein (normaler) Mensch vorgedrungen ist. Über Gott wird meist als „im Himmel“ gesprochen, so als ob er nichts mit der Welt zu tun hätte. Theologen jonglieren mit Gott, sie scheinen sich die größte Mühe zu geben, diese künstliche Kaskade aufrecht zu erhalten und erheben die Rede von ihm in Höhen, wohin niemand folgen kann. Zum Glück spielt Gott da nicht immer mit und fällt zu Boden, wie ein Jonglierball, der nicht gefangen wurde. Als Jongleur sage ich da: „Shit happens“ – als Pfarrer sage ich: „Frohe Weihnachten“.

Tom Stark ist evanglischer Pfarrer im oberösterreichischen Innviertel.

Neben unseren Autorinnen und Autoren, die in regelmäßigen Beiträgen über gute Energie in allen Lebensbereichen schreiben, sorgen auch immer wieder Gastautoren in einmaligen Blogbeiträgen für Gute Energie.

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