Für eine Zukunft Adria – ohne OMV

Waren sie schon einmal in Kroatien? Sind sie im Sommer die kilometerlangen Felsstrände entlangspaziert und haben die paradiesischen Naturlandschaften erkundet? Nicht umsonst wird die Adria als das Meer vor unserer Haustür bezeichnet und gehört damit zu den beliebtesten Urlaubsregionen der Österreicherinnen und Österreichern. Das Paradies ist, wie es sich zeigt, nicht immer so weit entfernt, wie manche glauben. Die Frage ist jedoch, ob es auch in Zukunft möglich sein wird hier weiterhin diese Ruhe und Entspannung zu finden, die man abseits vom Alltag immer wieder braucht. Denn mit Ölplattformen und Tankern vor den Stränden entspannt es sich wahrscheinlich nicht mehr so schön wie in der Vergangenheit.

Foto: Mitja Kobal / Greenpeace

Foto: Mitja Kobal / Greenpeace

Doch genau so könnte das bislang idyllische Landschaftsbild der Adria bald aussehen. Die kroatische Regierung plant insgesamt 90 Prozent ihrer Adria für Öl- und Gasförderungen zu öffnen. Obwohl Gasbohrungen vor Ort bereits seit Längerem stattfinden, sind Ölbohrungen im Meer komplett neu in Kroatien. Und wer steht in der ersten Reihe, um an die dort vermuteten Ölreserven zu kommen? Der österreichische Mineralölkonzern OMV.

Anfang des Jahres vergab die kroatische Regierung Lizenzen für insgesamt zehn Ölfördergebiete. Zusammen mit dem US-amerikanischen Konzern Marathon Oil erhielt die OMV sieben dieser 10 sogenannten Blöcke. Die Situation ist heikel: Nicht nur, dass Ölförderungen allgemein niemals gänzlich sicher sind, in Kroatien darf bereits 10 Kilometer von den Stränden und nur 6 Kilometer von Inseln entfernt gebohrt werden. Einige der Ölfördergebiete der OMV befinden sich zudem direkt vor der historischen Stadt Dubrovnik und in der Nähe von Nationalparks. Ein Ölunfall könnte diese Orte schnell erreichen. Damit gefährdet die OMV den Tourismus vor Ort, den wichtigsten Wirtschaftszweig des Landes. Gleichzeitig sind die Ölbohrungen eine große Gefahr für das sensible Ökosystem der Adria, Heimat von vielen Meerestieren wie Delfinen und Schildkröten.

Aus diesem Grund hat Greenpeace eine Kampagne gegen diese geplanten Ölbohrungen gestartet. Wir fordern den österreichischen Mineralölkonzern auf, seine Adria-Pläne fallen zu lassen und Verantwortung für eine unserer beliebtesten Urlaubsregionen zu übernehmen. Dass den Österreicherinnen und Österreichern die Ölbohrpläne der OMV nicht gleichgültig sind, zeigen die bereits über 20.000 Unterschriften unserer Petition.

„Wenn es die OMV nicht tut, dann macht es doch ein anderer Ölkonzern“, ein Argument, das ich in den vergangenen Wochen – seit dem Start unserer Kampagne – oft gehört habe Doch reicht diese Begründung aus, um sich aus der Verantwortung zu stehlen? Die OMV kann den Schutz der Adria nicht garantieren. Bereits innerhalb der vergangenen fünf Jahre hat die OMV drei Ölunfälle vor der Küste Neuseelands verursacht.

„Bis es zu den Ölbohrungen kommt, dauert es sowieso noch Jahre“ ist eines der weiteren Argumente gegen unsere Kampagne, das mir auch oft untergekommen ist. Das mag zwar stimmen, es wird tatsächlich noch dauern, bis die ersten Bohrungen stattfinden werden. Doch schon jetzt ist die Lage problematisch: Zum einen sind bereits seismische Untersuchungen, die vor jeder Ölbohrung erfolgen und in den nächsten Jahren zu erwarten sind, eine Gefahr für Meerestiere. Sie reagieren auf die dabei angewendeten Schallexplosionen verstört, flüchten und können sogar sterben. Zum anderen dient dieses Argument aber auch unserer Kampagne: Gerade weil diese Pläne noch in einem Frühstadium sind, gerade weil noch nicht Unmengen an Geld in diese Ölförderungen geflossen sind, können wir jetzt gemeinsam diese Adria-Pläne stoppen.

In einer Zeit, in der fossile Energien der Vergangenheit angehören und Erneuerbare Energien gefördert werden müssen, ist die OMV bislang den falschen Weg gegangen. Mit einer neuen Führungsspitze hat das Unternehmen nun die Chance für eine Zukunft einzustehen, die auch für unsere nächsten Generationen lebenswert ist. Der erste Schritt ist klar: Sensible Ökosysteme wie die Adria dürfen nicht für riskante Ölbohrungen ausgenutzt werden.

Ja es stimmt: Die kroatische Regierung und viele andere Akteurinnen und Akteure nehmen dabei eine wesentliche Rolle ein. Aber auch die OMV trägt hier Verantwortung. Wenn sie der gleichen Meinung wie ich sind, dann stellen Sie sich auf unsere Seite. Ganz einfach, auf www.greenpeace.at/adria.

Lukas Meus ist Campaigner bei Greenpeace CEE und setzt internationale Kampagnen in Österreich um. 

Neben unseren Autorinnen und Autoren, die in regelmäßigen Beiträgen über gute Energie in allen Lebensbereichen schreiben, sorgen auch immer wieder Gastautoren in einmaligen Blogbeiträgen für Gute Energie.

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