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Die Schweiz, das heilige Land der Eisenbahnfans

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Die Schweiz ist für Eisenbahnfahrer genauso wie für Eisenbahnfreaks ein gelobtes Land. Nirgendwo auf der Welt ist das Eisenbahnnetz so dicht und der Taktfahrplan so konsequent. Viele Schweizer verzichten wegen des Bahnnetzes kombiniert mit extrem vielen Postbuslinien auf ein Auto. Man kommt in der Schweiz mit der Bahn so gut wie überall hin. Aber die Schweizer Bahnen haben auch touristisch mehr als das Übliche zu bieten. Sie sind selbst als Urlaubsziel schon mehr als lohnend.

Allein die Rhätische Bahn bietet in Verbindung der Matterhorn-Gotthard-Bahn Linien an, die als Ausflugsfahrten für sich stehen: die berühmtesten sind der Glacier-Express und der Berninaexpress.

Der Glacier Express
Am besten bucht man im Panoramawagen 1. Klasse-Fensterplätze samt Mittagessen. Es zahlt sich einfach aus. Nach der Abfahrt in Sankt Moritz führt die Strecke nach dem Albulatunnel durch den sogenannten Albulazirkus von Preda nach Bergün. Dieser Abschnitt zeichnet sich durch eine beim ersten Mal fast unverständlich komplizierte Linienführung mit irren Talquerungen hin und her sowie durch eine Unzahl an Kehr- und Spiraltunneln, wobei ein Kehrtunnel- und ein Spiraltunnel sogar direkt untereinanderliegen.

Bei Bergün kann man die Dorfkirche drei mal hintereinander aus verschiedenen Höhen sehen. Ich selbst habe die Architektur beim 10.mal Fahren noch nicht durchschaut, erst das Modell der Bahn in Bergün machte mir die Streckenführung klar. Bei Reichenau durchfährt man mit der Bahn die berühmte Rheinschlucht. Ein enger imposanter Canyon, der nur mit dieser Bahn oder zu Fuß durchquerbar ist.

Essen im Glacier-Express

Essen im Glacier-Express

In Disentis wird dann die Lok gewechselt, denn ab hier gibt es auch Zahnradabschnitte, wofür eine spezielle Lok gebraucht wird. Hinauf auf den Oberalppass auf über 2000 m Höhe und dann steil hinunter nach Andermatt. Die weitere Fahrt führt durch den Furkatunnel (mehr dazu bei der Furkabahn) bis nach Zermatt, der autofreien Stadt am Fuße des Matterhorns. Acht Stunden ohne auch nur eine Sekunde an Fadesse.

Zum Thema Essen: Normalerweise ist doch das Essen im Zug eher eine Zumutung und die Mitnahme einer Wurstsemmel angeraten. Aber hier: nix mit in Plastik eingeschweißtem Zeug, sondern ordentlich gekochtes Essen, das aus großen Vorlegetellern am Platz in schönen Tellern mit Stofftischtuch und Stoffserviette serviert wird. Ein wunderbares 3-gängiges Menü zu für Schweizer Verhälnisse moderatem Preis.

Gornergratbahn mit Matterhorn

Gornergratbahn mit Matterhorn

Man sollte in Zermatt auch nicht versäumen mit der Zahnradbahn auf den Gornergrat zu fahren. Und hier auch noch eine Hotelempfehlung: Am Gornergrat steht am Gipfel, also in über 3000 m das tolle Kulm-Hotel mit faszinierendem Blick über den Gletscher direkt auf die ganze Pracht des Matterhorns.

Und noch was zum Abschluss: Überaus lohnend ist es auch im Winter nach Preda oder Bergün zu fahren um dort zu Rodeln, oder zu Schlitteln wie das in der Schweiz heißt. Die Albula-Paßstrasse ist zu diesem Zweck im Winter für Autos gesperrt und wers ganz scharf will, kann bei Bergün auf die Rodelbahn in Darlux fahren. Die ist allerdings ziemlich sportlich. Die Rhätische Bahn hat dazu einen halbstündigen Taktfahrplan mit speziellen Rodelwaggons zwischen Preda und Bergün eingerichtet. Rodeln jeder gewünschten Art samt Helmen gibt’s zu mieten.

Von Pontresina hinauf nach Ospizio Bernina

Von Pontresina hinauf nach Ospizio Bernina

Bernina Express
Durch gewaltige Hochgebirgslandschaft zuerst hinauf bis zum höchsten Bahnhof Europas “Ospizio Bernina” auf 2253 m und dann ohne Zahnrad bis zu 7% steil hinunter ins schon fast mediterrane Tirano (Ohne Zahnrad gehts nur in Linz noch steiler, nämlich auf den Pöstlingberg mit 8%).

Die Fahrt hinunter von Alp Grüm (mit einem sehr empfehlenswerten Bahnhofshotel, das auch nur mit der Bahn erreichbar ist) über unzählige Windungen, Kehr- und Spiraltunnel, es wird einem fast schwindlig dabei, hinunter nach Poschiavio, einer wunderbaren kleinen Stadt, deren Wurzeln übers Mittelalter bis zu den Römern gehen. Man sollte hier unbedingt einmal aussteigen und durch den Ort spazieren.

Bahnhof Ospizio Bernina

Bahnhof Ospizio Bernina

Weiter nach Brusio mit seinem berühmten und einzigartigen Kreisviadukt dann hinunter bis Tirano. 1830 Höhenmeter über fast 200 Brücken und Tunnel.
Für die Streckenlänge von 60 km benötigt man etwa 2,5 Stunden, Hin- und Rückfahrt gehen also locker an einem Tag. Wenn man nicht unbedingt zu den Hauptverkehrszeiten unterwegs ist, braucht man nicht unbedingt den Panoramawagen, sondern kann gemütlich zu beiden Seiten aus dem Fenster schaun.

Hotel Bellevue des Alpes mit Eigernordwand

Hotel Bellevue des Alpes mit Eigernordwand

Interlaken-Jungfraujoch
Die Jungfraubahn ist eines der touristischen Highlight der Schweiz. Leider wissen das auch Heerscharen von Touristen, vor allem aus Asien.
Trotzdem ist es die Reise wert. Von Interlaken gehts zuerst mit der Berner-Oberlandbahn bis Grindelwald wo man dann in die Wengeneralpbahn umsteigt und auf die kleine Scheidegg am Fuße von Eiger, Mönch und Jungfrau weiterfährt. Auf der kleinen Scheidegg kann man nach wie vor im alten Grandhotel Bellevue zu respektablen Preisen übernachten, wo zu den Dramazeiten der Eigernordwandbesteigungen die feinen Herrschaften den Kletterern durchs Fernglas beim Verunglücken zuschauten.

Umsteigen in die Jungfraubahn, die durch den Eiger, quasi als höchste U-Bahn Europas aufs Jungfraujoch in über 3400 m hinaufführt. Die Aussicht ist einfach nur grandios, der Rummel leider auch. Zurück geht’s dann wieder über die kleine Scheidegg nach Wengen, die Bahn führt an der berühmten Lauberhornabfahrt vorbei und auch darüber.

Blick auf Eiger, Mönch und Jungfrau von der Schynigen Platte

Blick auf Eiger, Mönch und Jungfrau von der Schynigen Platte

Wenn man schon in der Gegend ist, sollte man dann auch nicht die Zahnradbahnen auf die Schynige Platte von Wilderswil aus und aufs Rothorn in Brienz nicht versäumen. Genausowenig wie die Seilbahn auf das Schilthorn, das mit seinem Restaurant vielen als Therapiestation vom bösen Blofeld im James Bond Film “Im Geheimdienst ihrer Majestät” bekannt ist.

 

Furkabahn
Die Furkabahn war früher Teil der Linie des Glacierexpress. Bis in die 70er Jahre führte die Bahn über den Berg oder war im Winter unterbrochen, weil in den früheren, nicht so schneearmen Wintern die Schneeräumung unmöglich war und eine der Brücken sogar samt Oberleitung demontiert wurde, um Lawinen freie Bahn zu lassen. Als dann in den 70ern der Furkabasistunnel gebaut wurde, schien das Schicksal dieser Bahn besiegelt. Die Dampfloks wurden schon früher nach Vietnam verkauft. Die Strecke wurde abgerissen, man rechnete aber nicht mit dem Widerstand der Bevölkerung. Privat wurde die Bahn gepachtet, gekauft und wiederaufgebaut, 2 Dampfloks aus Vietnam vom Schrottplatz zurückgeholt und restauriert.

Hotel Glacier du Rhone

Hotel Glacier du Rhone

Von Realp führt die Bahn in ziemlich gerader Linie zum Scheiteltunnel über ca 1400 Höhenmeter hinauf und dann über Gletsch hinunter nach Oberwald. Die Strecke ist an mit ihren dramatischen Eindrücken kaum fassbar. Die Fahrt mit der Furkabahn ist nur mit Vorreservierung möglich. Empfehlenswert ist das alte Grand-Hotel in Gletsch, “Glacier du Rhone”, das zwar etwas abgesandelt ist, aber die Pracht und Herrlichkeit früherer Jahre noch gut zeigt.

 

Kulmhotel Gornergrat

Kulmhotel Gornergrat

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Hugo Gold ist praktischer Arzt in Wien, Segelflieger und Kunstflieger, Liebhaber von alten Fahrzeugen und Eisenbahnfan.

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