Das Paralleluniversum

Im Paralleluniversum sieht es fast aus wie bei uns. Es gibt öffentliche Straßen und einen motorisierten Individualverkehr. Um von A nach B zu kommen stehen Taxis, Busse und Schienenfahrzeuge zur Verfügung. Für zurückgelegte Wege ist entsprechend zu bezahlen, wobei die Preise sich überwiegend nach gesetzlichen Vorgaben richten. Die etwas Vermögenderen besitzen sogar eigene Autos, bezahlen jedoch neben Treibstoffen und Versicherung hohe Steuern und Abgaben dafür. Die Gesetzeslage erfordert strenge Sicherheitsvorschriften für alle Fahrzeuge. Bevor diese auf die Straße dürfen, müssen sie von einer Auto-Fachwerkstätte oder dem TÜV geprüft werden.

Foto: Ulla Unzeitig

Foto: Ulla Unzeitig

Was im Paralleluniversum jedoch bisher gefehlt hat, sind mit Pedalen betriebene Zweiräder. Diese sind nicht verbreitet, weil es im Paralleluniversum immer für selbstverständlich erachtet wurde, dass ein Fahrzeug mit nur zwei Rädern umfallen muss. Keiner konnte sich vorstellen, wie ein Fahrzeug mit nur zwei Rädern alleine stehen kann. So wurde im Laufe der Zeit in einer Norm festgehalten, dass Fahrzeuge mit vier Rädern ausgestattet werden müssen.

Wegen drohender Ressourcenknappheit und Umweltfolgen ist absehbar, dass der motorisierte Verkehr in Schwierigkeiten geraten wird. Als eine mögliche Lösung haben verschiedenste Firmen eine Alternative entworfen: Ein Fahrrad mit vier Rädern!

Das Fahrrad ermöglicht es absolut jedem einen kleinen Teil der zurückgelegten Kilometer selbst zu fahren. Dabei entstehen weder Lärm noch Schmutz, die Wartungskosten sind gering, und es fallen keine laufenden Treibstoffkosten an. Das Fahrrad löst zwar nicht alle Transportprobleme des Paralleluniversums, trägt aber seinen Teil zur Schonung der Ressourcen bei, kostet deutlich weniger als ein Auto und kann sogar mit der Post versendet werden.

Aufgrund der Gesetzeslage muss der Käufer eines Fahrrades folgende Schritte durchführen, bevor er seine erste Fahrt unternehmen darf:

  1. Der städtische Straßenbelagserhalter prüft, ob das Fahrrad nicht zu einer Überlastung der Straßen führt.
  2. Beim Magistrat für Straßensicherheit muss eine Genehmigung beantragt werden. Im Genehmigungsverfahren muss die Sicherheit des Fahrrades für den Fahrer und alle anderen Verkehrsteilnehmer nachgewiesen werden.
  3. Wie für alle Fahrzeuge ist auch für das Fahrrad eine Nummerntafel erforderlich, die vom städtischen Straßenbelagserhalter ausgestellt wird. Die Nummerntafel wird jedoch erst ausgehändigt, wenn eine Auto-Fachwerkstätte bestätigt hat, dass das Fahrrad über vier Räder verfügt. Darüber hinaus wird der Nachweis verlangt, dass ein Stück Straße auf eigene Kosten neu asphaltiert wurde. Dies wird damit begründet, dass die Reifen des Fahrrades einen Abrieb verursachen und dadurch der Straßenbelag altere.
Foto: Ulla Unzeitig

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Im Laufe der Zeit sieht man immer öfter Fahrräder auf den Straßen. Anfangs noch mit Nummerntafeln und vier Rädern. Die ganz Mutigen fahren ihre Fahrräder ohne Nummerntafeln. Dann veröffentlicht die Firma oekofahren eine Crowdfunding-Kampagne mit einer Neuheit: Ein Fahrrad mit zwei Rädern aus regionaler Produktion! Weil man zwei Räder spart, fährt man schneller und das Rad nimmt weniger Platz im Keller ein.

Die Interessensvertretung der Auto-Fachwerkstätten-Mechaniker geht auf die Barrikaden: Nicht nur dass dies verboten sei, sondern darüber hinaus werde die Gesundheit der Menschen aufs Spiel gesetzt. Das Fahrrad könne jederzeit umkippen. Der städtische Straßenbelagserhalter warnt davor, ein Fahrrad ohne Nummerntafel in Betrieb zu nehmen, selbst wenn nur kurze Strecken innerhalb des eigenen Hofes gefahren werden.

simon_DetailShot_webWas wie eine erfundene und etwas schlecht durchdachte Geschichte klingt, ist in einem anderem Bereich leider Realität – und zwar was den Erwerb von Solarzwergen für die dezentrale Stromversorgung im städtischen Raum betrifft. Infos zu „Bürokratie, die dich verrückt macht“ auf Simon Niederkirchers Blog Das Solarzwerg-Experiment, Infos zum Minikraftwerk für Balkon- und Terrasse und der simon-Crowfundingaktion auf simon.energy.

Simon Niederkircher leitet die Abteilung Key Account Management und Energiedienstleistungen in der oekostrom AG und ist seit 2009 an der Errichtung von Photovoltaikanlagen jeder Größe und Leistung beteiligt. Zuletzt hat er sich intensiv mit der Frage beschäftigt, wie die solare Stromerzeugung auch ohne staatliche Förderungen Spaß machen kann.

Neben unseren Autorinnen und Autoren, die in regelmäßigen Beiträgen über gute Energie in allen Lebensbereichen schreiben, sorgen auch immer wieder Gastautoren in einmaligen Blogbeiträgen für Gute Energie.

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