AFRIKA! AFRIKA!

Im Sommer war ich im Waldviertel auf einer Trachtenhochzeit eingeladen und ging – da ich kein Dirndl besitze – eben mit einem schlichten, grauen Kleid hin. Wird schon passen, hab ich gedacht. Das hätte ich nicht tun sollen. Wie Aschenputtel stand ich inmitten von Alpenrock-Heidis und Trachten-Lolitas. Obwohl das edle, traditionelle Dirndl der Braut auch alle Blicke auf sich zog!

Foto: Klaus Pribernig Photography / bilder.co.at

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Zurück in Wien entdeckte ich eine äußerst interessante Neu-Interpretation für meine nächste Trachtenhochzeit: Das AFRIKAdirndl. Entstanden aus einem Freundschaftsdienst schufen die Modemacherin Stefanie Kaiser und die Entwicklungshelferin Martina Ressmann mit dem ARFIKAdirndl einen eigene Marke.

Projekt AFRIKAdirndl – wie kam es dazu?
Stefanie: Ich hab Martina, die derzeit in Tansania lebt, eine Schneiderpuppe für eine tansanische Designerin mitgegeben, weil diese ihre Stücke zuvor ausschließlich auf Kleiderhaken anpassen konnte. Als Dankeschön habe ich farbenfrohe Baumwollstoffe aus Tansania und Ghana bekommen, von denen wir beide vollkommen begeistert waren. Bei der Übergabe scherzten wir noch, dass wir gerne den Villacher Kirchtag mit einem eigenen afrikanischen Dirndl aufmischen wollen. Als ich dann die ersten Exemplare auf meiner Webseite und auf Facebook teilte, waren die Reaktionen überwältigend und so stand sehr schnell fest: wir machen eine eigene AFRIKAdirndl-Kollektion.

Martina: Wir wollten aber auch etwas zurückgeben, daher gehen einerseits 2 Prozent von jedem gekauften AFRIKAdirndl an das Art Against Poverty Projekt (AAP) in Ostafrika. Und andererseits mangelt es hier in Tansania an gut ausgebildeten Fachkräften. Wissen ist einfach unbezahlbar, deshalb haben wir uns entschieden in Tansania kostenlose Schneiderschulungen  zu geben. Unseren ersten Workshop haben wir im Dezember 2014 gehalten, und der nächste ist bereits in Planung.

Foto: Klaus Pribernig Photography / bilder.co.at

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Wer steht hinter dem Projekt?
Stefanie: Martina und ich haben gemeinsam das Label AFRIKAdirndl aus der Taufe gehoben. Martina kümmert sich um die Projektpartner vor Ort in Tansania und ich mich um die Produktion und den Vertrieb in Österreich. Alles, was wir bis dato umsetzen konnten, haben wir aus dem Verkauf der Dirndl finanziert.

Wie kann man sich eine Zusammenarbeit mit „Afrika“ vorstellen?
Martina: Aktuell unterstützen wir finanziell – wie bereits erwähnt – das Art Against Poverty Projekt. Das Projekt bildet Jugendliche in musisch-kreativen Bereichen aus, sodass sie mit ihrem Talent auch ihr Leben finanzieren können. Uns war es aber auch wichtig, Wissen zu teilen und so fand der erste Workshop im Dezember 2014 statt. Er war der Auftakt zu einer regelmäßigen Workshop-Serie. Ziel ist es, den Frauen Schnitte und Ideen zu geben, sodass sie durch den Verkauf der Modelle (z.B. Polsterbezüge) ihre Existenz sichern können. Wir haben auch ein Video zum Workshop gemacht.

Das Dirndl ist ja ein sehr traditionelles Kleidungsstück. Welchen Stellenwert hat Brauchtum für euch?
Stefanie & Martina: Brauchtum hat für uns sehr viel mit Kultur zu tun. Es ist Teil einer Identität, einer Region und Nation. Da ist das Dirndl nicht wegzudenken. Brauchtum ist dabei aber nichts Starres, weil sich ja Menschen auch verändern. Unser AFRIKAdirndl mischt da mittlerweile auch ordentlich mit.

Ich hätte auch gern so ein Dirndl, wo kann ich das kaufen?
Stefanie: Für Schnellentschlosse gibt es die Möglichkeit, die Konfektionsgrößen zu kaufen. Um die gesamte Farb- und Stoffauswahl zu haben, muss man zu mir in die Gerbergasse 20/4 in 9500 Villach kommen. Am besten mit Voranmeldung unter office@mode-im-hof.at.

Foto: Klaus Pribernig Photography / bilder.co.at

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Was macht ihr eigentlich abseits vom AFRIKAdirndl?
Stefanie: Ich bin meiner Leidenschaft gefolgt und selbständig tätig als Schneiderin. 2002 hab ich mit „Mode im Hof 1981“ bereits mein erstes Modelabel gegründet.

Martina: Ich mache seit Mai 2013 einen Einsatz als Entwicklungshelferin in Tansania und betreue die Frauen- und Kinderrechtsorganisation TAWLA.

Wie sehr hat das AFRIKAdirndl euer Leben verändert?
Stefanie: AFRIKAdirndl hat einen besonders farbenfrohen Aspekt in mein Leben gebracht. Als allein-erziehende Mutter wird es ohnehin manchmal ordentlich bunt, aber die einzelnen Kreationen der AFRIKAdirndl zusammenzustellen – die Stoffe kombinieren und die Schnitte finalisieren – ist für mich eine echte Herzensangelegenheit – ich möchte keine Sekunde missen. Wenn dann die Damen in ihren fertigen AFRIKAdirndl vor mir stehen und mich mit einem breiten Lächeln ansehen, dann bin auch ich glücklich.

Foto: Klaus Pribernig Photography / bilder.co.at

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Martina: Ausschließlich positiv – seitdem wir losgelegt haben, bekommen wir so viele positive Rückmeldungen und Anfragen. Alle wollen mithelfen und uns unterstützen. Wenn man auf dem richtigen Weg ist, dann läuft alles ganz von alleine. Z.B. Haben wir den Choreographen für die Swahili Fashion Week in Dar Es Salaam über das Art Against Poverty Projekt bekommen. Er meinte: „Ihr unterstützt uns, da ist es doch selbstverständlich, dass ich euch helfe.“ Wir haben bis jetzt eigentlich ohne Aussnahme nur großartige Leute kennengelernt.

Wie wird es weitergehen?
Stefanie: Wir arbeiten bereits an der neuen Kollektion, und ein Follow-Up-Workshop ist ebenfalls in Planung. Ich kann nicht alles verraten, aber es wird bunt und aufregend. Unter www.afrikadirndl.com wird man alles genau erfahren.

Ulla Unzeitig organisiert Open House Wien – Architektur für Alle – und ist derzeit auf der Suche nach dem missing link zwischen Fahrrad und Auto.

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